Pfarrgarten gehört zur Welterbe-Route
Tag des offenen Gartens in Bornich macht im BUGA-Jahr auf Sehenswürdigkeit aufmerksam
BORNICH/RHEIN-LAHN. (26.Juli 2011) „Viele Leute schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und sagen: was für eine Arbeit! Aber für mich bedeutet unser Garten vielmehr: was für eine Freude!“ Susanne Löhde-Weigel ist in ihrem Element, wenn sie Gäste durch den Pfarrgarten in Bornich führt. Die Frau des Gemeindepfarrers hat in den vergangenen 14 Jahren die rund 2500 Quadratmeter große Fläche in ein kleines blühendes Paradies verwandelt. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass das zauberhaft angelegte Gelände im Jahr der Bundesgartenschau in Koblenz in die Route der Welterbe-Gärten aufgenommen wurde, mit der der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal und der Tourismus-Verband „Romantischer Rhein“ (nicht nur) Naturliebhaber auf die Gartenpracht links und rechts des Rheins aufmerksam machen.

„Ich komme ja aus Hamburg, aber Bauerngärten und mittelalterliche Klostergärten haben mich schon immer fasziniert“, so Löhde-Weigel. „Schon bei unserem Einzug hier dachte ich: In dem Garten steckt Entwicklungspotenzial.“ Nachdem wild wuchernde Brombeersträucher, Hecken und Unkraut unter Kontrolle gebracht waren, entstand in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten etwa ein kleiner Kreuzgarten aus Buchsbäumen, geprägt von mittelalterlicher Gartensymbolik. Mehr als 100 Küchen- und Heilkräuter wachsen mittlerweile auf der großen Grünfläche hinter dem Pfarrhaus in der Bornicher Rathausstraße. Der an Schiefer reiche Boden verlangt zwar nach reichlich Bewässerung, damit auf dem Boden etwas wachsen kann, aber gerade Kräuterpflanzen gedeihen darauf besonders gut. „Gut, dass es einen Brunnen im Garten gibt“, so Ehemann Manfred Löhde. Auf drei bis vier Stunden in der Woche schätzt seine Frau den Pflegeeinsatz, den ihr vor allem das Entfernen des Unkrauts abverlangt. „Aber eigentlich lässt sich das schlecht beziffern.“

Ihr Wissen über die natürliche Bepflanzung hat sich die Hobbygärtnerin angelesen; insbesondere die Schriften von Hildegard von Bingen aus dem benachbarten Rheingau über die Heilkräuter-Gärten haben sie dabei beeindruckt und inspiriert. Und natürlich ließen sich in Bornich das Johanniskraut zu Öl und die Ringelblume zu Salbe verarbeiten, Lavendel trocknen und manche Pflanze zu unterschiedlichen auch heilenden Tees verarbeiten. „Aber seit die Kinder groß sind, erfreuen wir uns einfach am Wachstum“. Nicht nur die Pfarrfamilie, auch Gemeindegruppen wissen hin und wieder den Garten im Sommer als schönen inspirierenden Treffpunkt zu nutzen. „Als Lehrerin habe ich natürlich auch einen gewissen ,missionarischen‘ Eifer, um die Leute darauf aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, in welch reicher Kräutergegend wir hier leben“, so Löhde-Weigel. So zeigte sie sich auch dankbar, dass der Pfarrgarten in die Route der Welterbe-Gärten aufgenommen wurde. Das Künstler-Ehepaar Thiesmeyer und Sälzer, von dem Werke den Bornicher Garten zieren und deren Skulpturengarten in Kaub ebenfalls zur Route zählt, hatte sie auf das Projekt aufmerksam gemacht. Eine Unesco-Fahne im Pfarrhof und ein Schild am Tor weisen auf die natürliche Sehenswürdigkeit hin.

An die lange Tradition der Pfarrgarten-Bewirtschaftung erinnert Gemeindepfarrer Manfred Löhde. „Wir haben ja auch eine Verpflichtung, das Anwesen zu hegen und zu pflegen“, so der Theologe. Das Wort „Verpflichtung“ gefällt seiner Frau allerdings gar nicht: „Vergnügen trifft es eher.“ Immerhin verzichtete die Familie dieses Jahr auf den Urlaub in der Gartensaison, damit etwaige Besucher der Welterbe-Garten-Route bis zum Oktober, wenn in Koblenz auch die BUGA endet, nicht vor verschlossener Tür stehen.
Mit einem „Tag des offenen Gartens“ am Samstag, 30. Juli soll von 10 bis 17 Uhr vor allem auch bei den Bornichern und Menschen aus der Region die Lust am pfarramtlichen Bauerngarten geweckt werden. Ansonsten kann das naturverbundene Kleinod immer nach telefonischer Absprache unter 06771-7332 besichtigt werden.
Zur Route der Welterbe-Gärten zwischen Koblenz und Bingen zählen insgesamt 27 private sowie öffentlich zugängliche Anlagen links und rechts des Rheins. Neben dem Pfarrgarten in Bornich liegen im Rhein-Lahn-Kreis auch Gärten in Lahnstein, Braubach, Kaub und Weisel auf der Route. Nähere Informationen gibt es beim Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Text und Bilder: Bernd-Christoph Matern