Kirchen im UNESCO-Welterbe Mittelrhein

Biker baten um Gottes Segen für die Saison 2011

Mehr als 300 Motorradfahrer besuchen MoGo Rheingau in Lorch – Blaues Band verbindet

LORCH/RHEIN-LAHN. (16.Mai 2011) Trotz wechselhafter Witterung: beim „MoGo Rheingau 2011“ fanden sich mehr Motorradfahrer ein als noch im vergangenen Jahr. Rund 500 Besucher tummelten sich bis zum Nachmittag auf den Lorcher Rheinwiesen zum Gottesdienstfeiern und einem unterhaltsamen Programm.

Die schwarzen Klappstühle nebst den Bierzeltgarnituren vor der großen Bühne waren nicht nur mit in schwarzer Ledermontur gekleideten Bikern besetzt. Auch zu Fuß und mit dem Auto waren Besucher gekommen, um den Gottesdienst im Freien mitzuerleben und die vielen Maschinen links und rechts der Zugangsstraße zu bewundern. Für drei Dutzend Kinder wurde in einem Extra-Zelt ein separater Gottesdienst mit Gemeindepädagogin Xenia Hoch angeboten, die später mit ihrem Team und vielen Spielsachen aus dem Spielmobil der evangelischen Jugend im Dekanat St. Goarshausen für Kurzweil auf den Rheinwiesen sorgte.

Gottesdienst

„Wo bist Du Mensch?“ war der ökumenische Motorradgottesdienst thematisch überschrieben. Mit weißen Masken traten Bewohner des St. Vincenz-Stifts aus Aulhausen vor die Bühne und machten mit ihrem Anspiel deutlich, dass nicht alle Menschen den gleichen Namen, die gleiche Lieblingsspeise oder dieselben Hobbies haben, dass vielmehr die Unterschiedlichkeit das Leben ausmacht. Der evangelische Pfarrer Urs Michalke erinnerte in seiner Predigt an Zachäus, einen Außenseiter, der es als hochrangiger Zöllner denen heimzahlte, die ihn früher vielleicht als Jugendlichen wegen seiner kleinen Gestalt „gemobbt“ hätten. Von einem Baum aus sah er einem Auftritt Jesu zu, bevor ihn dieser beim Namen rief und aufforderte, herunterzukommen. „Lasst uns herabsteigen vom Baum, auch von unserem hohen Ross“, interpretierte Michalke. Vor Gott brauche sich niemand zu verstellen; da spiele auch die Größe der Maschine keine Rolle, die man fährt. „Er nimmt jeden an, wie er ist.“ Dazu gehörten auch die, die am Rand stehen oder die „in ihrem Leben schon mal Mist gebaut haben“.

Segnung

Der katholische Schulseelsorger Clemens Weißenberger bat darum, bei Ausfahrten mit dem Motorrad gelassen zu bleiben, Rücksicht zu nehmen und Freundlichkeit auszustrahlen. Dann schritten die beiden Theologen, selbst begeisterte Biker, die Phalanx der Maschinen ab, um die Fahrer zu segnen und blaue Segensbänder zu verteilen, die später an den Motorrädern flatterten und an den MoGo erinnerten. „Ich bin den Organisatoren sehr dankbar, dass so viele Motorradfahrer die Veranstaltung nutzen, sich in unserer schönen Gegend wohlzufühlen“, sagte Lorchs Bürgermeister Jürgen Helbing und hoffte auf eine Neuauflage im nächsten Jahr.

Dem Gottesdienst folgte ein leckeres Mittagessen vom Grill, das die vielen Helfer der Arbeitsgemeinschaft MoGo anboten, eine Bildersuchfahrt sowie Unterhaltsames auf der Bühne. Dort spielte unter anderem die Band „Ton(-)gestalten“ auf, die bereits am Vormittag als musikalischer Begleiter neben dem Bühnenaltar wirkte. Für rhythmischen Schwung sorgte die afrikanische Percussiongruppe „Soli Sola“, ins Staunen versetzte eine Jonglage-Show. Besondere Beachtung fand eine gläserne „Toleranz-Stele“ vom Künstler Karl-Martin Hartmann. Sein Werk versteht sich als Beitrag zur Toleranz-Erklärung der Unesco aus dem Jahr 1995 und möchte auf die Frieden stiftende und erhaltende Bedeutung von Toleranz innerhalb eines weltweiten Netzwerkes aufmerksam machen.

Text und Bilder: Bernd-Christoph Matern

 

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